Verein zur Hilfe und Begleitung von Jugendlichen in Portugal

Intensivpädagogische Betreuung

Ausgangslage
Zielgruppe
Ziele
Betreuungsphasen
Intensivpädagogisch-therapeutische Jugendwohngemeinschaften
ISE - intensive spzialpädagogische Einzelbetreuung
Verselbständigung

 

Ausgangslage

PROGRESSO arbeitet seit 2007 im Bereich intensivpädagogischer Betreuungsmaßnahmen in Portugal mit entwicklungsverzögerten und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, bei denen inländische stationäre Jugendhilfemaßnahmen nicht greifen, da sie sich dem System entziehen und in regulären Einrichtungen nicht mehr zu halten sind. Oftmals handelt es sich um Kinder und Jugendliche aus einem problembelastenden sozialem Umfeld, bei denen es den Erwachsenen nicht mehr gelingt, ihnen Grenzen zu setzen, die keine Einsicht mehr in Konsequenzen für ihre Grenzüberschreitungen zeigen oder nicht mehr zu greifen sind, weil sie scheinbar machen was sie wollen oder Drogen und Alkohol konsumieren. Das Vertrauen in Erwachsene ist bei diesem Klientel oft zutiefst erschüttert und die Beziehungsfähigkeit gestört.

 

Zielgruppe

Unsere Intensiv sozialpädagogisch – therapeutischen Angebote sind besonders geeignet für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren, die aufgrund ihrer bisherigen belastenden Biografie massive Verhaltensauffälligkeiten, psychosoziale Störungen oder Entwicklungsverzögerungen aufweisen. Insbesondere geht es um Kinder und Jugendliche nach §27 Abs. 2 in Verbindung mit §§ 35, 35a, 36 und 41 KJHG im SGB VIII mit:

  • Störungen in der Beziehungs- und Bindungsfähigkeit sowie in anderen emotionalen und sozialen Bereichen,
  • Entweichungsproblematiken,
  • Persönlichkeitsentwicklungsstörungen (F60), vor allem: Dissoziale Persönlichkeitsstörung (F60.2), Emotional instabile Persönlichkeitsstörung-Impulsiver- und Borderline-Typ (F60.3), Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (F60.6),Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (F60.7),
  • Verhaltens- und emotionale Störungen, u.a. ADHS/ADS (F90-98),
  • Atypischer Autismus (F84.1) und Asperger-Syndrom (F84.5),
  • Angst- und Depressive Störungen (F41 und F32/33),
  • Gewalt- und Missbrauchserfahrungen,
  • Anzeichen von Regellosigkeit und Verwahrlosung,
  • Schulaversion sowie Lern-, Leistungs- und Aufmerksamkeitsstörungen,
  • grenzüberschreitenden Verhalten,
  • beginnender Delinquenz,
  • Medien- und angehende Drogensucht,
  • Transgender Problematik,
  • Fetalem Alkohol Syndrom,
  • Seelischen Störungen als Folge von Krankheiten,
  • Diagnose einer seelischen oder drohenden seelischen Behinderung,
  • Individuellen Einschränkungen, die zu sozialen Beeinträchtigungen geführt haben.

Ausschlusskriterien:

Ausschlusskriterien für eine Aufnahme in eine intensivpädagogisch - therapeutische Jugendwohngemeinschaft sind Kinder und Jugendliche mit:

  • akut bestehender alltagsbestimmter Suchtmittelabhängigkeit,
  • einer schweren geistigen und körperlichen Behinderung,
  • akuter Suizidgefährdung,
  • schwere und schwerste Intelligenzminderung,
  • psychotischen und akut psychiatrischen Störungen, die in diesem Rahmen nicht aufgefangen werden können,
  • schwerwiegende Gewaltdelikte sowie schwere persistente Delinquenz,
  • Schizoide Persönlichkeitsstörung,
  • Pyromanie sowie
  • Tendenzen zur Tierquälerei

 

Ziele

Unsere Grobziele sind:

  • eine Verschlimmerung der Situation der/des Jugendlichen zu verhindern
  • Verbesserung der sozialen, physischen und psychischen Verfassung sowie
  • Erarbeitung einer allgemeinen Lebensperspektive

Anhand der Problemlagen der oben benannten Jugendlichen ergeben sich in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit mit ihnen folgende Zielsetzungen:ziele

  • Stärkung und Steigerung des Selbstwertgefühls, Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins
  • Entwicklung von Selbständigkeit im Denken, Lernen, Handeln und Arbeiten
  • Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben
  • Förderung der Kommunikations- und Bindungsfähigkeit
  • Aufbau von tragfähigen Beziehungen (Vertrauen, sich aufeinander Verlassen, Abbau von Ängsten)
  • Förderung der sozialen Kompetenz
  • Aufarbeitung erlebter negativer Erfahrungen
  • Erschließung neuer Handlungsstrategien
  • Erlernen von Konfliktlösungsstrategien (Auseinandersetzen mit Krisen und Problemen)
  • konstruktiver Umgang mit Kritik und Lob
  • Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse, Gefühle und individuellen Grenzen
  • Erhöhen der Selbstkontrolle
  • Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen
  • Erlangen eines Schulabschlusses
  • Berufliche Orientierung

 

Betreuung

Grafik Intensivpädagogische Betreuung 2020

 

Betreuungsphasen

PROGRESSO hat ein spezielles Phasenprogramm entwickelt, das einen transparenten und klaren Weg für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufzeigt. Viele haben konstante Erfahrungen mit Instabilität in Beziehungen und mit Beziehungsabbrüchen, die sie misstrauisch den Erwachsenen gegenüber fühlen lassen. Das entwickelte Phasenprogramm beinhaltet spezifische Lernaufträge der jeweiligen Phase und ermöglicht den Jugendlichen einen klaren Umgang mit eigenen Zielen im fortschreitenden Hilfeprozess.

Wöchentlich findet ein Gruppenreflexionsgespräch (BSO) statt, in dem das Verhalten jedes / r Kindes und Jugendlichen reflektiert wird. Dabei werden ihre eigenen Eindrücke, die der anderen Gruppenmitglieder und der BetreuerInnen berücksichtigt und es wird entschieden, ob die Kinder und Jugendlichen in ihrem Phasenprogramm sowie in ihrer Entwicklung eine Woche weiterkommen, stehen bleiben oder sogar zurückgestuft werden. In diesem gruppendynamischen Prozess werden vor allem die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie die Kommunikation durch systematische Feedbackprozesse geschult.

Phase 0 – Die Vorbereitungsphase

Auf Anfrage des Jugendamtes, werden zunächst die Akten der/des Kindes bzw. Jugendlichen (Persönlichkeitsmerkmale, familiäre Herkunft, soziale Kontexte, biographische Besonderheiten usw.) individuell geprüft. Durch weiterführende Gespräche mit der zuständigen Fallführung des Jugendamtes, macht sich der Träger mit den Hintergründen der Problematik sowie ggf. mit dem Umfeld und Herkunftssetting vertraut. Auf dieser Informationsgrundlage schätzen die MitarbeiterInnen von PROGRESSO und des Trägers ein, ob und in welcher Form eine Aufnahme angebracht und sinnvoll ist.

Ist eine Aufnahme vorstellbar, werden entsprechende Entgeltvereinbarungen und Leistungsbeschreibungen zugeschickt und die Betreuungsinhalte und –möglichkeiten sowie die Aufnahmebedingungen mit der jeweiligen Fallführung des Jugendamtes besprochen.

Bewilligt das Jugendamt die Auslandsmaßnahme, wird ein erstes Kennenlernen zwischen den MitarbeiterInnen des Trägers, der Fallführung des Jugendamtes, dem/der Heranwachsenden sowie den Sorgeberechtigten vereinbart. In einem persönlichen Gespräch wird die Jugendwohngemeinschaft unter Hinzunahme von Film- oder Bildmaterial vorgestellt und eventuelle Fragen beantwortet. Besteht ein gemeinsames Einvernehmen gegenüber der Auslandsmaßnahme, können bereits erste Ziele erarbeitet und formuliert werden.

Wichtige Vorbereitungen wie Impfungen, Medikamente, Versicherungen, Schweigepflichtentbindungen, Vollmachten der Personensorgeberechtigten, ärztliche und psychologische Stellungnahmen, Ausschulung oder Genehmigung über Aussetzung der Schulpflicht bzw. Verlagerung der Förderorte werden im Vorfeld besprochen, abgeklärt und organisiert.

Da in Portugal ein Konsultationsverfahren nach Brüssel IIa notwendig ist, werden dem Jugendamt alle notwendigen Unterlagen für die Durchführung des Verfahrens vorab zugeschickt. PROGRESSO berät das Jugendamt im gesamten Konsultationsprozess bzgl. der auszufüllenden Unterlagen, übernimmt die notwendigen Übersetzungskosten und kümmert sich um die Korrespondenz mit dem Bundesjustizministerium.

Phase 1 – Akzeptanz und Anerkennung von Autoritäten (Dauer min. 7 Wochen)

In Portugal angekommen beginnen die Kinder und Jugendlichen in den Projekten mit Phase 1, der Phase zur “Akzeptanz und Anerkennung von Autoritäten”. Grundlegende Strukturen und Regeln im Umgang mit Erwachsenen sollen hier erlernt werden.

Zu Beginn der Jugendhilfemaßnahme befinden sich die Kinder und Jugendlichen oft in einem regres-siven Stadium bzw. in unterschiedlichen früheren Kindheitsphasen wie Trotzalter, Vorschulalter usw. mit entsprechenden aggressiv- destruktiven oder hilflos bedürftigen Verhaltensweisen. Sie tendieren dazu, die Schuld für ihr Misslingen bzw. die Verantwortung für ihr eigenes Leben anderen zuzuschreiben, sind nicht in der Lage, adäquate Konflikt- oder Problemlösungen zu finden, haben Probleme mit der Impulskontrolle, sind bindungs- und beziehungsgestört, können Autoritäten nicht an- und bestimmte Realitäten nicht erkennen oder leben in ungesunden Abhängigkeiten, Symbiosen usw.

Ziel in Phase 1 ist es, negative - selbst- oder fremdschädigende -, verfestigte, routinemäßig praktizierte Handlungsmuster der jungen Menschen zu verändern. Dazu dient das durchstrukturierte Phasenprogramm mit einer klaren Alltagsstruktur und einem zuverlässigen Beziehungsangebot durch die BetreuerInnen in einer stabilen Umgebung. Zu Beginn erfahren die Kinder und Jugendlichen, dass ihre bisherigen Erfolgsrezepte in dieser anderen, neuen Wohn- und Lebensgemeinschaft sowie in einer anderen Sprache, Kultur und Zivilisation nicht greifen.

Durch die Sprachbarriere und die abgeschiedene Lage werden sie bewusst verunsichert und durchleben Krisensituationen, die ihr Angewiesen sein auf die BetreuerInnen und andere Gruppenmitglieder spürbar machen. So bietet sich die Chance, in der neuen Umgebung Vertrauen und Kontakte zu Erwachsenen und Gleichaltrigen aufbauzubauen und innerhalb einer wachsenden Vertrauensbeziehung und Bindung zu den Betreuerinnen neue Verhaltens- und Handlungsmuster zu erlernen.

Mit Wertschätzung, Respekt, emotionaler Zuwendung und Achtung, aber auch klaren Anforderungen, Grenzsetzungen sowie Regeln und Werten, helfen die BetreuerInnen den Kindern und Jugendlichen, diese Phase zum Erlernen und Entwickeln basaler Selbst- und Gruppenkompetenzen zu nutzen.

Kinder und Jugendliche, für die eine Auslandsmaßnahme angebracht ist, zeigen i.d.R. derart grenzüberschreitendes Verhalten, dass sie an einem normalen gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen können. Bei ihnen sind oft ihre Fremd- und Selbstbeobachtungsfähigkeit sowie Selbstaktualisierungstendenzen beeinträchtigt, gestört oder fehlleitend. Daher brauchen sie bei Planungen, Entscheidungen oder Aktionen fachliche Unterstützung, um zuerst einmal Selbstbewusstheit im Sinne eines angemessenen Selbstverständnisses, unabhängige und sozialadäquate Entscheidungsfähigkeit sowie erfolgreiche Kommunikationsfähigkeit zu erlernen.

Kinder- und Jugendliche mit Verhaltens- sowie Bindungsproblematiken haben in ihrer Kindheit und Autonomiephase wenig Schutz, Geborgenheit und Grenzsetzungen erfahren und somit wichtige und lebensnotwendige Handlungsalternativen nicht erlernen können. Es ist daher wichtig und heilsam, diesen Prozess noch einmal in einem geschützten Rahmen und mit der Hilfe von Fachpersonal zu durchlaufen.

Auf Basis dieser Grundannahmen werden in dieser Phase die Rechte und Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen im Interesse ihrer weiteren Entwicklung zurückgesetzt. Das Grundkonzept ist, dass Erwachsene die Verantwortung übernehmen und dass die bestehenden Regeln und Werte zum Schutz der Einzelnen, aber auch der Gruppe konsequent eingehalten werden.

Nach dem Prinzip „wir schätzen dich als Person, akzeptieren aber kein destruktives Verhalten“ wird mit positiver Verstärkung bzw. mit Belohnungssystemen gearbeitet. Unerwünschtem Verhalten begegnen die BetreuerInnen mit Autorität und dem Entzug von bereits verfügbaren Verstärkern und / oder klaren Konsequenzen, die für die Kinder und Jugendlichen erkennbar und vorhersehbar sind. Dabei wird Autorität praktiziert im Sinne von Standhaftigkeit und Präsenz, als gelebte Konsequenz auf das Fehlverhalten in Verbindung mit einem konstruktiven Beziehungsangebot. In anschließenden Gesprächen werden die Situationen reflektiert und gemeinsam neue Handlungsstrategien entwickelt.

Die Kinder und Jugendlichen lernen in dieser Phase das Erwachsene eine Verbindlichkeit mitbringen, die in guten wie in etwas schwierigen Situationen konstant ist. Die Kinder und Jugendlichen sollen in Phase 1 ebenso lernen, in ihrem neuen Lernumfeld selbstbewusst mit ihren Gefühlen, Gedanken und Emotionen umzugehen, mit ihren BetreuerInnen über ihre Probleme zu reden und festzustellen, dass Schwierigkeiten auch ohne Alkohol, Drogen oder Gewalt zu lösen sind. In dieser Phase müssen die Kinder- und Jugendlichen ihr eigenes „Life Book“ schreiben, worin sie ihre wichtigsten Lebensereignisse noch einmal beschreiben und ins Bewusstsein bringen. In Reflexion mit einer Vertrauensperson ihrer Wahl können so eventuelle Ursachen für die aktuellen Verhaltensmuster oder Blockaden, erkannt werden.

Selbstverantwortung ("Ich bin verantwortlich für mein Leben und das was ich tue") sowie eigene Entscheidungen zu treffen, sind Grundrichtlinien dieser Phase. Durch Erfahrungen wird den Kindern und Jugendlichen vermittelt, dass auch andere Entscheidungen bezüglich ihres eigenen Verhaltens getroffen werden können (Selbstbestimmung – Identität – Kontrolle).

Ziel ist ebenfalls, den Jugendlichen bei der Erkenntnis zu helfen, dass ihr Verhalten und ihre Entscheidungen Konsequenzen haben, dass sie diese Konsequenzen jedoch kontrollieren bzw. beeinflussen können. Die Heranwachsenden sollen begreifen, dass sie ihren eigenen Anteil und die Verantwortung für ihr Verhalten tragen, auf das Sanktionen oder Belohnungen folgen können. Wichtig ist uns dabei, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass wir Fehlverhalten kritisieren bzw. sanktionieren, sie / ihn selbst als Person jedoch nicht ablehnen.

Das Ziel von Phase 1 ist erreicht, wenn die Kinder und Jugendlichen selbst erkennen und lernen, sich an die vermittelten Regeln und Strukturen des Gruppenlebens zu halten.

In Phase 1 gibt es keine Beschulung. Der Schulbesuch erfolgt als Privileg nach einem erfolgreichen Abschluss der ersten Phase.

Phase 2 – Autonomie und Selbstverantwortung (Dauer min. 16 Wochen)

Diese Phase soll die Kinder und Jugendlichen dazu befähigen, die bereits erlernten Verhaltensmuster in einer kontrollierten Umgebung in ihrem täglichen Leben anzuwenden, zu festigen und dabei ihre eigene Identität zu finden und zu leben. Sie brauchen Zeit, um neu erlernte Verhaltensmuster der Phase 1 zu verinnerlichen und alte abzulegen.

Der Fokus liegt darauf, dass sich die Jugendlichen zunehmend stärker ihrer Gedanken und Gefühle und ihres eigenen Verhaltens bewusstwerden.

In Phase 2 können die Jugendlichen ihr Leben immer mehr selbst mitbestimmen. Hierdurch wird mehr eigenverantwortliches Handeln gefördert und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen beginnen ihre Autonomie zu festigen.

Ab Beginn der Phase 2 dürfen die Kinder und Jugendlichen unsere einrichtungsinterne Schule, das „Study House“ in Almodôvar, besuchen.

Das Ende der Phase 2 ist erreicht, wenn die Kinder und Jugendlichen in den neu erlernten Verhaltensweisen und Handlungsstrategien sicher und stabil agieren können.

Phase 3 – Implementierung von Autonomie und Selbstfürsorge (Einzelbetreuung / Verselbständigung) (Dauer min. 16 Wochen)

In dieser Phase sollen die jungen Heranwachsenden lernen, selbstständig die Verantwortung für das eigene Handeln und im Bezug zur Umwelt zu übernehmen und neu erlernte Verhaltensweisen zu trainieren und zu festigen.

Es ist eine Phase des Vertrauens und der selbstständig getroffenen Entscheidungen. Zentral sind hier Fragen “Kann ich mich von meinem alten Verhalten selbstständig distanzieren und die neu erlernten Verhaltensweisen anwenden?”

In Phase 3 beginnt der Umzug in unsere Verselbständigungsgruppe nach Almodôvar. Hier geht es darum Alltagsbedingungen und Voraussetzungen zu schaffen, in denen die Jugendlichen ihre Handlungsfähigkeit weiterentwickeln und ihre emotionalen und sozialen Kompetenzen erweitern können. Falls die Kinder oder Jugendlichen bei Erreichen der Phase 3 jedoch noch keine 16 Jahre alt sind, ist der Verbleib in der Jugendwohngemeinschaft oder auch ein Umzug in eine Einzelbetreuungsstelle, wenn sinnvoll, möglich.

Phase 4 – Rückführungsvorbereitung und Abschied (Dauer ca. 4 Wochen)

In dieser Phase bereiten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam mit den BetreuerInnen die Rückreise in das Heimatland vor. Die Rückkehr wird in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner, in Abstimmung mit Jugendamt, Familie, Personensorgeberechtigten ggf. Vormund oder Pflegschaft vorbereitet und durchgeführt. Der Träger hat eine tragende Rolle in der Überleitung und in der Ausgestaltung der Rückführung ins Heimatland.

Ziel ist es, dass dem / der Jugendlichen ein fließender Übergang zwischen dem Leben in Portugal und seiner Wiedereingliederung im Heimatland ermöglicht wird. Der / die Jugendliche soll sich an diesem Prozess aktiv beteiligen, so dass er / sie zuversichtlich ein neues Leben im jeweiligen Heimatland beginnen kann.

Während der Phase der konkreten Vorbereitung und Organisation auf die Rückkehr ins Heimatland befindet sich der / die Jugendliche in einem mental-emotionalen Ablösungsprozess, welcher von ihm / ihr als positiv empfunden werden soll. Eine wichtige Aufgabe aller am Hilfeprozess Beteiligten liegt darin, den Abschied als natürlichen Teil eines Veränderungs- und Entwicklungsprozesses zu begegnen, zu integrieren und selbst mitzubestimmen.

Der junge Mensch soll die neue Phase seines Lebens als geöffnete Tür mit neuen Möglichkeiten und Herausforderungen wahrnehmen, der es sich gewachsen fühlt.

Alle Jugendlichen der Phase 4 haben bereits erste berufliche Erfahrungen durch ehrenamtliches Engagement oder durch Praktika sammeln können und konnten eine persönliche Zukunftsperspektive für sich entwickeln.

Die reflexive Auseinandersetzung des Aufenthaltes in Portugal verbinden wir mit der Methode „Reflexionsbuch“, in der die Jugendlichen schriftliche, Fragen u.a. über Ankunft, Verlauf, größte Herausforderung, Was hast du gefühlt, Was hast du gelernt, Wo stehst du, Wo willst du hin beantworten, als auch die BetreuerInnen den Jugendlichen ein Feedback mitgeben, wird die bei PROGRESSO verbrachte Zeit als Ganzes gemeinsam mit allen Beteiligten reflektiert und abgeschlossen.


Intensivpädagogisch-therapeutische Jugendwohngemeinschaften

Die Intensivpädagogisch-therapeutische Jugendwohngemeinschaft „Quinta do Cerro“ - Mädchenwohn-gemeinschaft ab 12 Jahren (5 Plätze)

Quinta do CerroDie Farm „Quinta do Cerro“ umfasst eine Fläche von ca. 87 Hektar und befindet sich in ländlich ruhiger Lage in den Bergen des Alentejo. In einer Entfernung von fünf Kilometern liegt das Dorf Santa Cruz als nächstgelegene Gemeinde. Die Kreisstadt Almodôvar mit ca. 3000 EinwohnerInnen ist 20 km weit entfernt

Die Zufahrt zur Farm führt über einen Feldweg am Fluss „Vascão“ vorbei, der abschnittsweise die Grenze zwischen der Algarve und dem Alentejo bildet. Die Wasserversorgung für Dusche, Toilette, Trinkwasser, Küche usw. erfolgt über eigene Brunnen. Fließendes Wasser ist vorhanden. Der Strom wird mit Solarpaneelen und einem dieselbetriebenen Stromaggregat selbst produziert.

Auf der „Quinta do Cerro“ befindet sich das Wohnhaus, welches über ein großes Wohnzimmer mit Wintergarten, eine große Essküche, zwei Bäder, fünf Einzelzimmer, ein BetreuerInnenzimmer / Büro, eine verschließbare Vorratskammer, eine Abstellkammer, ein Wäschezimmer und eine Terrasse verfügt. Ebenfalls befinden sich auf dem Grundstück zwei kleine Wohnholzhäuser, zwei Wohnbungalows, eine Werkstatt, Arbeitsräume, Pferdeställe und -koppel, ein Hühnerstall, eine Picknickstelle direkt am Fluss sowie ein kleiner selbst angelegter Teich direkt am Haus. Ein Obst- und Gemüsegarten bietet die Möglichkeit der teilweisen Selbstversorgung und bewussten Ernährung.

Der Fluss Vascão, der an das Land angrenzt, bietet u.a. Möglichkeiten zum Baden, Angeln oder zu Flussfahrten mit selbstgebauten Flößen.

Das nahe gelegene Dorf Santa Cruz hat ca. 100 EinwohnerInnen und besitzt ein Café, ein Gemeindeverwaltungs- und Kulturzentrum, zwei Kirchen (eine Kirche ist aus dem 16. Jahrhundert), einen Grillplatz mit Tischen und einen alten Brunnen mit Waschstellen. Der Platz vor dem Café ist der Mittelpunkt des Dorfes, auf dem sich die BewohnerInnen täglich treffen.

Auf dem Land der „Quinta do Cerro“ sind die fünf einrichtungseigenen Pferde untergebracht. Hier helfen die Jugendlichen bei allen Anliegen und Bedürfnissen rund ums Pferd. Neben den organisatorischen Aufgaben wie Stallarbeiten und Hygiene der Pferde, müssen im Weiteren zum Beispiel Weidezäune und Stallungen gepflegt und instandgehalten werden.

Die „Quinta do Cerro“ ist besonders geeignet für junge Mädchen ab 12 Jahren mit bindungs- und beziehungsgestörten Verhaltensweisen, Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, emotional instabiler Persönlichkeitsstörung, Entweichungs- und beginnenden Suchtproblematiken und Transgender Problematik.

Die Intensivpädagogisch-theraoeutische Jugendwohngemeinschaft „Nova Sembla“ - Jungenwohngemeinschaft ab 12 Jahren (5 Plätze)

SemblanaDas Land “Nova Sembla” umfasst ca. 1 Hektar und liegt in einem idyllisch gelegenen Tal im südlichen Alentejo von Portugal. In 2 km Entfernung befindet sich das Bergwerksdorf Semblana. Die Kreisstadt Almodôvar mit ca. 3000 EinwohnerInnen ist 12 km weit entfernt.

An der Grundstücksgrenze fließt ein kleiner Bach entlang, der das Land ausreichend mit Wasser versorgt und Möglichkeiten zur Abkühlung bietet. Das Land ist reich an Oliven-, Orangen-, Mandarinen-, Nektarinen-, Granatapfel- und Mispelbäumen.

Ebenso befinden sich auf dem Grundstück sechs Brunnen, ein altes Gartenhaus, fünf kleine Holzwohnhäuser für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, drei Holzwohnhäuser für die BetreuerInnen, zwei Toiletten- und Duschhäuser, ein Holzhaus mit einer Küche und ein großes Holzhaus, welches als Wohn- und Gemeinschaftsraum genutzt wird. Die 16m2 großen Holzwohnhäuser für die Jugendlichen sind jeweils mit einem Bett, Nachttisch, Kleiderschrank, Schreibtisch, einer Kommode sowie 2 Heizungen ausgestattet. Fließendes Wasser sowie Elektrizität und Heizung sind vorhanden.

Das nächst gelegene Dorf Semblana hat ca. 300 EinwohnerInnen und besitzt eine alte Bäckerei, zwei kleine Minimärkte, zwei Cafés / Restaurants, einen Bankautomaten, ein Gemeindeverwaltungs- und Kulturzentrum, ein Gesundheitszentrum, eine alte Kirche und öffentliche Toiletten mit Duschen. Die EinwohnerInnen leben fast ausschließlich von Agrikultur, Honigherstellung und von der Arbeit im nahe gelegenen Kupferbergwerk „Neves Corvo“.

Wegen der vielen Oliven- und Obstbäume auf „Nova Sembla“ liegt der Schwerpunkt der praktischen Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen in der Gartenarbeit, wie z.B. der Ernte und der Verwertung der Früchte. Neben der Herstellung von Marmelade und Saft, erwirtschaften wir in unserem Garten Lebensmittel wie Olivenöl, Salat, Melonen, Bohnen, Zwiebeln und Erdbeeren und teilen diese mit den anderen Jugendwohngemeinschaften. Ebenso können sich die Kinder und Jugendlichen in unterschiedlichen handwerklichen Bereichen ausprobieren. Die Kinder und Jugendlichen erhalten hier Unterstützung bei der Realisierung eigener kreativer Wünsche und Vorstellungen.

„Nova Sembla“ ist aufgrund der Teamspezialisierung und speziellen Lage im Tal, welches ein Gefühl von Geborgenheit, Schutz und Ruhe ausstrahlt, besonders für männliche Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren mit Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, verhaltens- und emotionalen Störungen (ADHS/ADS), grenzüberschreitenden Verhaltensweisen und Atypischen Autismus sowie Asperger-Syndrom geeignet.

ISE - Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

Die Einzelbetreuungsstellen liegen in der Regel in ländlichen Gebieten an der Algarve und im Alentejo Portugals. Naturbezogenheit und Tiere (Hunde, Katze, Hühner, ev. Pferde) sind meist vorhanden.

Die Abgeschiedenheit der Betreuungsstellen ist bewusst gewählt, einerseits um die Kinder und Jugendlichen in der reizarmen Umgebung zu Entschleunigung und durch die Ruhe auf sich selbst zu besinnen, wodurch sie quasi „gezwungen“ sind, sich mit Konfliktsituationen und Problemen auseinanderzusetzen. Andererseits machen die jungen Menschen in den Betreuungsstellen oft Kontrasterfahrungen zu den Lebensstandards, die sie aus Deutschland bzw. Holland gewohnt sind, was ihnen dabei hilft, Dankbarkeit und Wertschätzung zu entwickeln.

Die Sprachbarriere und die unbekannte Umgebung und Kultur bergen eine Chance, bindungsgestörten Kindern und Jugendlichen einen emotionalen Zugang zu den betreuenden Erwachsenen zu eröffnen. Durch das schrittweise Erlernen der Sprache werden sie langsam in die portugiesische Bevölkerung integriert. Erfahrungsgemäß dauert das Erlernen der Grundkenntnisse der portugiesischen Sprache zur Verständigung ca. 6 Monate.

Das Hauptaugenmerk dieser Hilfeform liegt in der Beziehungsgestaltung durch das Zusammenleben in einer familiären Gemeinschaft. Durch die Integration in das Leben der Einzelbetreuungsstelle und deren soziales Umfeld und durch das kontinuierliche Beziehungsangebot - auch über schwierige Situationen hinweg – erleben die Kinder und Jugendlichen Verlässlichkeit und Halt und dass sie ernst genommen werden. Somit kann es ihnen gelingen, wieder Vertrauen in erwachsene Bezugspersonen aufzubauen.

Hier erfahren Heranwachsende einen zuverlässigen, stabilen familiären Rahmen sowie Kontinuität, Verbindlichkeit und Geborgenheit in der Beziehung, was ihnen durch die geschaffene Entlastung die Möglichkeit bietet, Handlungsalternativen zu den aus Trauma induzierten Überlebensmustern zu finden, Entwicklungsschritte nachzuholen und ihre persönlichen Fähigkeiten und Potentiale zu entfalten.

Ziel dieser Betreuungsform ist die ganzheitliche Förderung von emotionaler, psychosozialer, kognitiver und körperlicher Entwicklung durch korrigierende Beziehungs- und Bindungserfahrungen. Die individuellen Ziele werden im Rahmen der Hilfeplanung mit allen Beteiligten abgestimmt. Hierbei werden das Alter und der Entwicklungsstand des Heranwachsenden vor dem Hintergrund biografischer Erfahrungen individuell berücksichtigt.

Verselbständigung - 4 Plätze für Jugendliche ab 16 Jahren

Verselbständigung3Die Verselbständigungsgruppe ist eine gemischtgeschlechtliche Wohngemeinschaft mit 4 Plätzen und befindet sich ca.100m von unserem Büro entfernt im Zentrum der Kleinstadt Almodôvar. Die Wohngemeinschaft ist der beabsichtigte Zwischenschritt, der zwischen dem Leben der 24-Stunden-Betreuung der intensivpädagogisch - therapeutischen Jugendwohngemeinschaften auf einer Farm und dem betreuten bzw. eigenständigen Wohnen im Heimatland, eingebettet ist. In der Wohngemeinschaft geht es darum, „loszulassen“ und selbständig sein Leben zu gestalten. Die Verselbständigungsgruppe verfügt aufgrund des Auslandsstandortes über eine 24-Stunden-Betreuung.

Verselbständigung2

Unsere gemischtgeschlechtliche Verselbständigungsgruppe für Mädchen und Jungen befindet sich in einem 182m2 großen Einfamilienhaus in Almodôvar, welches PROGRESSO angemietet hat. Im Gemeinschaftshaus hat jeder junge Mensch sein eigenes Zimmer, so dass die Privatsphäre gewährleistet ist. Zudem gibt es zwei Bäder/Toiletten, eine Küche, ein Abstellraum, ein Wohnzimmer sowie sechs Einzelzimmer (incl. BetreuerInnenzimmer und BetreuerInnenbüro). Im über 180m2 großen Innenhof befinden sich eine kleine Barbecue Sitzecke, ein Obst- und Gemüsegarten sowie zwei Obstbäume.

Almodôvar, als kleine Stadt, ist für die Jugendlichen der erste Schritt aus der Abgeschiedenheit der intensivpädagogisch - therapeutischen Jugendwohngemeinschaften auf den Farmen. Almodôvar ist immer noch isoliert, verfügt jedoch über alle notwendigen Einrichtungen und besitzt in kleinem Maßstab alle Annehmlichkeiten. Die Stadt hat ca. 4000 Einwohner und liegt zwischen der Sierra und der goldenen Alentejo Ebene an der Grenze zwischen der Algarve und dem Alentejo in Portugal. Almodôvar ist eine typische Alentejo-Kleinstadt: ruhig, historisch und traditionell von der Region geprägt. Es gibt neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Kirchen zwei große Supermärkte, mehrere kleine Läden und Drogerien, einen Fitnessclub, eine Bibliothek, ein Gesundheitszentrum und ein Sportzentrum mit Schwimmbad sowie eine Reithalle. Rund um Almodôvar kann man die Natur genießen. In direkter Umgebung befinden sich mehrere Seen, in denen geschwommen werden kann und, wie in Portugal üblich, gibt es Parks, selbstverständlich mit Grillplätzen.

Natürlich verfügt Almodôvar auch über Ausgehmöglichkeiten. Es gibt Tanzgelegenheiten, Restaurants und Bars. Das kann für unsere Jugendlichen ein Risiko darstellen, bietet ihnen aber andererseits die Möglichkeit, mit dem für sie äußerst wichtigen „Ausgehen“ zu experimentieren.

Das Angebot der Verselbstständigung im Jugendwohngruppenbereich ist ein Angebot, welches im jugendrechtlichen Sinne in den Jugendhilfeauftrag inkludiert ist. Es richtet sich an vier Jugendliche, die mindestens 16 Jahre alt sind und einen Reifegrad erreicht haben, der zur weiteren Verselbständigung und Persönlichkeitsentwicklung den Wechsel in eine Verselbständigungsgruppe oder eigenen Wohnraum als sinnvoll erscheinen lässt.

Die Jugendlichen, welche sich im Übergang Schule – Beruf befinden, können das von uns speziell entwickelte TAP Programm (Training für alltägliche Lebenspraxis) besuchen. Das Training unterstützt u.a. pragmatisch-technische Lernschritte, wie das Erlernen von Haushaltsführung, Umgang mit Geld, Einkauf, Visionen und Lebensbildern, Aktivierungs- und Unterstützungstreppen, Skalen unserer monatlichen Evaluationstabellen und Methoden zur Zielfindung und –formulierung nach dem SMART Modell. Dadurch sollen die Jugendlichen Unterstützungsressourcen für die Alltagsbewältigung erwerben sowie Lebens- und Berufsperspektiven formulieren, um ihren Alltag im Anschluss der Maßnahme gelingend zu gestalten.

Wir legen Wert auf das Selbstbestimmungsrecht und die Eigenverantwortlichkeit der/des Jugendlichen und beziehen sie/ihn in die Gestaltung des Entwicklungsprozesses mit ein, um so eine dauerhafte Eigenständigkeit und somit eine Verselbstständigung zu erreichen. In der Verselbständigung geht es darum, „loszulassen“, um selbstständig sein Leben zu gestalten. Dies erfordert eine gefestigte Haltung, die auf einer eigenen Meinung und Lebensanschauung fußt.

Das letztendliche Ziel des Betreuungspfades (Phase 3 + 4) besteht darin, Alltagsbedingungen und Voraussetzungen zu schaffen, in denen die Jugendlichen ihre Handlungsfähigkeit weiterentwickeln und ihre emotionalen und sozialen Kompetenzen erweitern können. Wesentlich ist, die Jugendlichen ganz individuell auf die Zeit nach der Maßnahme vorzubereiten und für den Anschluss an die Maßnahme geeignete strukturelle Bedingungen zu schaffen.

Die durchschnittliche und empfohlene Verweildauer in der Verselbständigung beträgt ca. 12 Monate.


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